Schicksalstörn

Ich bin schon in Punat, als am 16.7. Verena mit Noah und Ulli zu mir kommen. Am 17.7. steuern wir meinen Lieblingshafen Veli Losinj an. Im Ribarska Koliba serviert man uns köstlichen Fisch, die Welt ist noch in Ordnung.

Am nächsten Tag steht Novalja am Programm, Noah will sich dort einen Scooter leihen und ein paar Runden drehen. Der Anker fällt kurz nach 18 Uhr auf vier Metern Tiefe. Kurz darauf ist auch schon der Marinero zur Stelle um zu kassieren. Er rät uns dringend, eine der Bojen zu nehmen, da in der Nacht starker Wind angesagt ist. Sie sind zu 100% sicher und nur 10 Euro teurer als ankern, meint er.

Um 04.00 bricht dann ein verheerender Sturm los. Schon nach kurzer Zeit sind wir, samt Boje, in seichtem Gewässer und sitzen auf Grund. Verzweifelte Versuche unter Motor tiefes Gewässer zu erreichen scheitern leider. So landen wir schlussendlich unmittelbar vor einer Reihe Mietboote in Ufernähe und sitzen fest. Mittlerweile ist es 04.30 als wir das Schiff verlassen und im Nachtgewand ans Ufer schwimmen. Einheimische, allen voran Ivan von der Bootsvermietung, sind uns behilflich und kümmern sich um uns. In Ivans Transporter können wir uns aufwärmen.

Er ist es auch, der mit seinem Jetboot versucht uns freizuschleppen. SeaHelp in Losinj hat allein an diesem Morgen acht Einsätze und kann nicht so schnell kommen. Nach drei Stunden hat er es geschafft, wir hängen an einer der Bojen und rasten uns aus. Das Wasser steht bis 20 cm über den Bodenbrettern, es dürfte wohl über das Waschbecken im WC eingedrungen sein. Die Instrumente sind ausgefallen, der Motor startet nicht mehr. Als nach drei Stunden lenzen das meiste Wasser aus dem Schiff ist meldet sich SeaHelp mit der Frage, ob noch Hilfe nötig sei. Wir melden, dass wir freigeschleppt sind aber die Maschine nicht anspringt. Leider können sie uns nicht helfen. Aber ich habe eine Idee, betätige die manuelle Dieselpumpe direkt am Motor mehrmals und siehe da, der Diesel läuft wieder. Der Sprit dürfte durch die starke Schräglage über längere Zeit zurück in den Tank geflossen sein.

Um 14.00 sind wir so weit fertig, um nach Punat zu fahren, als Ivan anruft um uns seine Rechnung zu übergeben. € 2.520,- will er für die Bergung haben. Nicht wenig für drei Stunden Arbeit aber was solls … wir waren froh über seine Hilfe.

Um 15.15 legen wir Richtung Norden ab. Meine Damen und Noah haben keine Lust mehr, den Urlaub fortzuführen. Kurz nachdem wir endlich wieder in Punat angekommen sind bricht erneut ein Sturm los. Diesmal mit Hagel. Zum Glück ist die Show nach 15 Minuten vorbei.

Langsam erkennen wir, welche Schäden das Wasser angerichtet hat. Alle elektrischen und elektronischen Geräte, die an Steuerbord im unteren Bereich des Schiffsrumpfes montiert sind, sind kaputt. Funk, Windmesser, AIS, Batterieladegerät, Funk-Ankerfernbedienung, Pumpen für die Toilette, die Stromversorgung und die Feedpumpe für den Watermaker, alles im Eimer. Zwei Tage später ist auch schon ein Sachverständiger der Versicherung an Bord. Professionell und freundlich nimmt er alle Schäden auf. Hoffentlich ist uns die Versicherung selbst auch so freundlich gesinnt.